HAK will in die Gemeindestuben

Politik / 14.10.2019 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Welches Potenzial die „Heimat aller Kulturen“ in Vorarlberg hat.

Schwarzach Hätten alle gewählt wie Hohenems, wäre die „Heimat aller Kulturen“ (HAK) in den Landtag eingezogen. Zumindest fast. Die Hürde liegt bei fünf Prozent. In der Nibelungenstadt erzielte die HAK mit 4,7 Prozent ihr bestes Ergebnis, gefolgt von Bludesch (4,3), Lustenau (4), Mäder (3,5) und Bregenz (3,3). Landesweit schaffte die Partei von Spitzenkandidat Murat Durdu 1,9 Prozent. „In fünf Jahren wird ein stärkeres Auftreten möglich sein“, ist Durdu überzeugt. Jetzt will er sich auf die Gemeindewahlen 2020 konzentrieren. In 24 Kommunen sieht er ernsthaftes Potenzial für die HAK. „Wir werden junge Menschen dazu animieren, mit einer Liste anzutreten.“

Durdus Zielgruppe sind Menschen mit türkischem Migrationshintergrund. „Als Nächstes gehen wir an jene heran, die andere Wurzeln haben, sich aber in Vorarlberg nicht vertreten fühlen.“ Dass die HAK mobilisieren kann, hat sie bei der Arbeiterkammerwahl bewiesen. Dort schaffte sie im Land 6,1 Prozent. Bei der Nationalratswahl hievte die private Unterstützung von HAK-Funktionären den Salzburger Landtagsabgeordneten Tarik Mete an die Vorzugsstimmenspitze. Bei der Landtagswahl holte die HAK 3052 Stimmen. Ihr Spitzenkandidat erhielt 3350 Vorzugsstimmen.

Der Erfolg Durdus könnte auf Kosten der Grünen Vahide Aydin gegangen sein. Sie machte in der türkischen Community bisher auf wenig umkämpftem Gebiet Wahlwerbung. Hatte sie 2014 noch alleine in ihrem Heimatbezirk Dornbirn 2463 Vorzugsstimmen erhalten, waren es heuer in ganz Vorarlberg nur noch 2974.
Der Vorarlberger Politologe Thomas Schmidinger sieht die HAK als politische Heimat für national- und religiös-konservative Türkeistämmige. Diese seien bisher politisch heimatlos gewesen. Bei gesellschafts- und wirtschaftspolitischen Vorstellungen gäbe es zwar Übereinstimmungen im rechten Spektrum. Das Problem: Die FPÖ handle islamfeindlich.Auch mit der Bundes-ÖVP hätten es die konservativen Türkischstämmigen nicht leicht.

Dass die HAK deutlich wächst, wenn sie weitere Gruppen mit Migrationshintergrund anspricht, glaubt Schmidinger nicht. Die Interessen der irakischen, kurdischen oder syrischen Migranten seien völlig andere. Um sie für sich zu gewinnen, müsste die HAK von ihrer AKP-nahen Agenda abrücken. Das ginge auf Kosten ihrer Stammwählerschaft. Schmidinger sieht für die HAK also keine Chance, bei einer Landtagswahl die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen. Dass sie bei der Gemeindewahl in der ein oder anderen Kommune ein Mandat erhält, sei aber durchaus möglich. VN-ebi

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